Fanprojekt Halle

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Ein Mann- ein Wort - ein Stadion

Halles neues Stadion wurde mit zwei emotionsgeladenen Festlichkeiten eingeweiht. Zu den Veranstaltungen am 17.09. (Tag des offenen Stadions) und zum Eröffnungsspiel am 20.09.2011 kamen insgesamt fast 40.000 Fußballbegeisterte in Halles neuen Fußballtempel.

Ein Mann stand dabei besonders im Fokus und wurde von der Fankurve frenetisch gefeiert.

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Reinhard Rau, eigentlich in der Vergangenheit nur allgemein sport-interessiert, machte sich in der HFC Fanszene als Projektsteuerer des Ersatzneubaus in der Kantstrasse einen Namen. Wie kommt es zu der großen Beliebtheit des 59-Jährigen, den man noch vor 2 Jahren in der Fankurve nicht einmal kannte?

Reinhard Rau packt gleich mal selbst mit an, auch im feinen Hemd. Hier testet er selbst die Härte des Porphyrgesteins der Stadionmauer, als Mitglieder des HFC Fanszene e.V. die restaurierte Gedenktafel zum Fallschirmunglück vom 26.September 1997, bei dem ein Fallschirmspringer und drei Fußballfans am Stadioneingang um Leben kamen, neu installierten.

Steffen Kluge, Leiter des Fanprojektes hat mal persönlich nachgefragt...

Sk: Reinhard, wie bist du in die Rolle des Projektsteuers Ersatzneubau Kurt-Wabbel-Stadion geschlüpft?

Vor etwa 3 Jahren rief der HFC-Präsident Dr. Michael Schädlich bei mir an, mit der Bitte doch in einer Arbeitsgruppe bei der Stadtverwaltung als (Bau-)technischer Berater für die Koordinierung der sich, auch an den HFC, ständig mehrenden Fragestellungen im Baubereich zur Verfügung zu stehen. Die Mitarbeit in dieser Arbeitsgruppe führte dann im weiteren Verlauf zur Beauftragung als Projektsteuerer.

In diesem Zusammenhang meinte man, gerade weil ich nicht so nah dran war am Fußball, würde ich nicht so schnell „betriebsblind" und sei doch somit bestens geeignet für diese Aufgabe. Im Übrigen hatten wir, der HFC und ich, schon gemeinsame Erfahrungen beim Bau des Kunstrasenplatzes am Sandanger, wo ich für die komplette Planung und Bauleitung verantwortlich war.

Sk: Wo lagen für dich die größten Herausforderungen bei dem Bauprojekt?

Bei der Formulierung der technischen Aufgabenstellung, praktisch der „Bestellung" für das Stadion als Teamleiter einer ganzen Reihe von Architekten und Ingenieuren verschiedener Fachrichtungen. Hier nichts zu vergessen, was zur Funktionstüchtigkeit erforderlich ist, aber auch die Anforderungen auf das Mindeste zu beschränken, um das vorgegebene Budget

(17,5 Mio) einzuhalten, das war die Herausforderung im Vorbereitungsprozess und der europaweiten Ausschreibung.

Sk: Wie hast du die große Anteilnahme am Stadionneubau und das ständige sich Einmischen wollen der HFC Fanszene empfunden?

Eigentlich als Teil eines Arbeitsprozesses in einem Team, wo eben „..4,6,10 Augen mehr sehen als 2.."

Sk: Wie sah konkret der Kontakt und die Kommunikation mit der Fanszene aus? Zu welchen Fans hattest du einen besonders engen Kontakt?

Zu vielen, eben denen, die Mittwochs zu den angesagten Treffen im Fanhaus anwesend waren, Fragen stellten, bzw. diskutieren wollten. Oft traf ich mich darüber hinaus auch mit dem Vorstand des HFC Fanszene e.V..

Sk. Welche Erfahrungen hast du mit diesen, meist noch sehr jungen Leuten gemacht?

Gute. Es waren viele dabei, die mir geradlinig begegnet sind und es mit ihrer ehrlichen Art verdient haben, dass man ihnen zuhört und sich mit ihren Fragen und Vorschlägen beschäftigt.

Sk. Wie würde das Stadion heute aussehen, wenn es nicht die vielen Gesprächsrunden, Anregungen und Unterstützungsangebote vom HFC-Fanszene e.V. gegeben hätte?

Sicherlich anders, in den Details bei weitem nicht so abgerundet. Die Mauer vor den Stehplatzbereichen wäre z.B. höher und in der Fan-Kurve hinter dem Tor gäbe es ein mittiges Mundloch. Es gab aber noch jede Menge weiterer Anregungen die in die Bauplanung eingeflossen sind. Auch der Zaun in der Fankurve wurde „durchsichtiger" gemacht.

Sk. Wie erklärst du dir die große Begeisterung der Hallenser und weit darüber hinaus für das neue Stadion?

Der Erhalt der alten Porphyrmauer mit dem Marathontor, damit zunächst die äußere Identifikation mit dem alten Stadion und das dahinter befindliche neue Stadion mit seiner neuen Geometrie haben viele Hallenser neugierig gemacht. Auch Sportinteressierte, die schon lange nicht mehr im Stadion waren. Darüber hinaus bietet die Komplettüberdachung als Schall und Wetterschutz natürlich ganz anderen Service als früher und es gibt Zuschauergruppen, hier insbesondere auch aus der älteren Generation, die auf einmal wieder ins Stadion kommen wollen, und dies ohne den Neubau sicherlich nicht tun würden.

Die Bedingungen für alle Zuschauer haben sich eben wesentlich verbessert. Dies war aus den unterschiedlichen Publikationen schon im Vorfeld zu erkennen. Darüber hinaus hat die Begleitung während der Bauphase durch TV-Halle viel Neugierde geweckt.

Über allem steht natürlich auch das Interesse für Fußball quer durch alle Schichten der Bevölkerung.

Und ich denke alle, die da waren, wurden nicht enttäuscht. Klein, knuffig, nahe dran am Geschehen und sehr gute Sichtbedingungen von den Tribünen, hervorragender Sound aus den Lautsprechern und fernsehtaugliches Licht..., das waren die hervortretenden Bewertungen der meisten Besucher.

Sk. Was meinst du, warum bist du bei den aktiven HFC Fans so sehr beliebt?

Weiss nicht....

Sk. Mal ehrlich, wenn du dich selbst einschätzen müsstest, wie hoch würdest du deinen Anteil am Stadion bewerten?

Ich bin dankbar, dass ich an so einem Objekt mithelfen durfte, fühle mich aber als Teil einer großartigen kollektiven Leistung von Vielen: – Projektmanagement-Team, Stadtverwaltung, Planern, Bauleitung der Stadion-ARGE und kleineren Baufirmen, die als Sub-Unternehmer mitgewirkt haben, auch wenn ich dabei vielleicht nicht in der hintersten Reihe gestanden habe.

Sk. Was hattest du für ein Gefühl, als du das erste mal ins Fanhaus kamst?

Ich war überrascht, wie groß das Interesse am neuen Stadionbau war, wie viele Fans dort versammelt waren um neueste Informationen aus den ersten, damals vorgestellten Entwürfen zu erhaschen. Ich bin seinerzeit mit der Erfahrung nach Hause gegangen, dass dort eine menge Leute waren, die sich mit Ideen und mit dem Angebot, wenn möglich auch selbst etwas zu machen, einbringen wollten in den Prozess um den Stadionneubau. Das war so geradlinig und aus innerster Überzeugung vorgetragen, dass ich persönlich gar nicht anders konnte als diesem ersten Besuch eine größere Anzahl weiterer folgen zu lassen.

Sk. Sieht man dich zukünftig auch weiter beim HFC?

Ja!

Sk. Du warst als Gast zur Mitgliederversammlung des HFC Fanszene e.V. im Fanhaus und hast neben einem Fanszeneschal auch einen Mitgliedsantrag erhalten. Hast du ihn schon ausgefüllt und abgegeben?

Noch nicht...

Sk. Was nimmst du als besondere Erfahrung aus dem Stadionbauprojekt mit?

Die große positive persönliche Unterstützung, aber auch die Anerkennung durch die Fans, die ich in der bestehenden Form nicht erwartet hätte, und die Erfahrung, dass man gemeinsam tatsächlich viel erreichen kann, wenn alle auch kompromissfähig sind. Kompromiss heißt aber auch dass jeder von seinen Zielen und Vorstellungen Abstriche machen muss, damit dann das Ganze zum Erfolg wird. Ich denke in diesem Sinne ist unser neues Stadion ein gemeinsamer Erfolg.

Sk. Wie hast du die Stadioneröffnungsfeier erlebt?

Gemeinsam mit meiner ganzen Familie als großes Fest, mit einer unter die Haut gehenden Fan-Choreo, einem Fußballspiel, was an diesem Abend nicht der absolute Höhepunkt war und einem „feurigen Abschluss". Also so, wie man sich eine solche Einweihung vorstellt.

Sk. Was hast du empfunden als die Fankurve mit der symbolträchtigen „Gemeinsam-Unaufhaltsam-Choreografie" erleuchtete?

Ein grandioser Schlusspunkt unter eine im wahrsten Sinne des Wortes „jahrelange Arbeit"an einem Stadion, in dem die Fanszene sich in ihrer „Kurve" offensichtlich zuhause fühlt und dieses Bauwerk als gemeinsame Basis für gute Leistungen unseres HFC, aber auch als ihr Haus angenommen hat.

Sk. Danke für deine ausführlichen Antworten und auch nochmal vielen herzlichen Dank für das was du für den HFC und seine Fans geleistet hast. Aber auch vielen Dank für die Geduld, das Zuhören und das „verstehen wollen". Du hast nicht immer „ja" gesagt, aber auch nie „das geht nicht". Du hast immer gesagt, ich prüfe was geht und mit allen Beteiligten nach einer Lösung gesucht. Du bist nicht nur ein genialer Baufachmann sondern auch ein großartiger Typ mit dem gewissen Feingefühl im Umgang mit Menschen!

Im Namen des HFC Fanszene e.V. und des Streetwork Fanprojektes wünsche ich dir alles Gute sowie viel Glück und Erfolg im Leben nach dem Stadionbau...